Friday, March 18, 2016

Friedensbehindernde Irrtümer grade rücken und die Dinge bei ihren wirklichen Namen nennen 


Österliche Gedanken von Irene Eckert

Nazifaschismus versus „sozialistische Diktatur“ 

Eine vorgestanzten Klischees folgende Gleichsetzung von Nazifaschismus und „sozialistischen Diktaturen“ verstellt uns immer noch den Blick auf das  verspielte Friedenspotential des realen Sozialismus.  Solch gleichsetzende Etikettierung von Wesensfremdem ist  nicht  etwa auf mangelnde Erfahrung, sondern schlicht auf Unkenntnis der  einstigen Realitäten zurückzuführen. Man muss nicht  im realen Sozialismus gelebt haben, um zu wissen, dass diese Staaten Friedensfaktoren darstellten und Bremsklötze auf dem Wege zur Globalisierung der Kriege waren. Man muss auch keine Zeitreise  ins Mittelalter machen oder in Saudi-Arabien  gelebt haben, um sich ein Urteil über die dortigen Zustände erlauben zu dürfen, sonst wäre ja jeder wissenschaftliche Diskurs sinnlos bzw. unmöglich.


Teuflisches Tun“ in „theatralischer Sprache“

Darf man sinniger Weise  das Wirken Von ISIS, Al-Nusra  und Kompanie als „teuflisches Tun“ qualifizieren? Ist es zulässig und wirklichkeitskompatibel in Bezugnahme auf die Vorgänge in Syrien seit 2011 von 'satanischen Vorgängen' zu sprechen oder ist solche Sprechweise „Theatralik", weil sie die Realität überzeichnet und  dramatisiert?

Die US-Hegemonialmacht  sieht in Russland die Hauptgefahrenquelle, ja eine existentielle Bedrohung ihres Landes. Die Unterschätzung der Terror-Söldner-Heere  hierzulande ist offensichtlicher Unkenntnis der Realitäten zuzuschreiben. Wer sich keinen relaitätsnahen  Begriff davon machen konnte, worin die Handlungsweise der terroristischen Akteure in Syrien sinnlich konkret besteht, mag die Kennzeichnung "teuflisches Tun" überzeichnet finden. Das wahrhaft mit  gegenwärtig menschlichen Begriffen  nicht mehr  zu fassende Horrorszenario in Syrien, aber auch  in der Ukraine, im Irak, in Libyen, in Afghanistan und anderswo ist aber satanischer Natur - von Gottes Beitrag keine Spur mehr.  Das Wirken, Walten  und Wollen der dortigen Akteure scheint vielen Menschen trotzdem noch  ein Buch mit sieben Siegeln. Verständlicherweise schaut man dem Terror ungern bei seinem Tun über die Schultern. Man guckt lieber  weg, wo man eigentlich genau hinschauen müsste, auch ich tue das.

Terrorhandwerk life ist „teuflischer“ Natur

Vor numehr drei Jahren war ich allerdings  von  syrischen Freunden in Genf zu einem Vortrag eingeladen, der mich und manch anderen in dieser Hinsicht zu tiefst erschüttert hat. Es war übrigens ein Spießruten laufen durch einen bezahlten Mob hindurch nötig, um zum Vortragsaal zu gelangen, selbst im 'neutralen' Genf, Sitz der UN-Menschrechtskommission. Die Veranstalter waren  hochangesehene Genfer Bürger syrischer Provenienz. An Hand von Augenzeugenreportagen der russischen Kriegsberichterstatterin Anastasia Popova und ihres Kameramanns, sowie anhand des ebenfalls unter die Haut gehenden Berichts ihres turko-syrischen, in Belgien lebenden, Kollegen bahar_kimyongur@yahoo.fr   wurde uns das ganze Ausmaß des grauenhaften Wirkens des Terrors im einst blühenden arabischen Land deutlich vor Augen geführt.

Für das, was dort in den Jahren seit 2011 geschehen ist, fehlen uns Nordlichtern die Worte, fehlt uns noch immer eine angemessene Sprache. Die von der blutjungen, mutigen Reporterin in Bild und Ton festgehaltenen Vorgehensweisen liegen jenseits des menschlich Vorstellbaren. Was dort von Menschen Menschen angetan wird, ist nur nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die Saudis etwa ihre Gefängnistore geöffnet und verurteilte Mörder mit dem Auftrag entlassen haben, in Syrien aufzuräumen. Unter den Opfer ihres Wütens waren nicht nur alawitische „Gottlose“, sondern ur-christliche Gemeinden, die noch Aramaäisch, die Sprache Jesu sprachen, Heiligtümer antiker Provenienz, völlige unpolitische Nonnen und Mönche, Orden die seit Jahrhunderten dort angesiedelt waren  wurden ausgelöscht. Die Christenheit schwieg dazu. Völlig heruntergekommene, deklassierte und von jahrelangen Kriegen brutalisierten jungen Männer aus dem ehemaligen Sicherheits- und Staatsapparat des Irak bilden einen weiteren Zustrom der Terrorsöldner, die bis zu 300 Dollar pro Tag kassierten, um ihr bestelltes Mordhandwerk an Christen und anderen „Ungläubigen“ auszuüben. Damals war an ein russisches militärisches Eingreifen noch lange nicht zu denken.

Zur hohen Schule der Diplomatie gibt es keine Alternative -außer Krieg

Dir Russen taten in  den letzten fünf Jahren alles auf dem Felde der Diplomatie mögliche. Sie praktizierten damit  die hierzulande von Friedenszirkeln stets geforderte gewaltlose Konfliktlösestrategie auf höchster staatlicher Ebene, um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. An der regionalen Ausweitung des Krieges  kann und darf keiner interessiert sein. Am Ende führt ja  kein Weg zum Frieden an den staatlichen Akteuren vorbeiführt, an den Akteuren, die die Macht haben, politischen Konzeptionen Durchsetzungskraft zu verleihen. Die Alternative  zur hohen Schule der Diplomatie ist nun mal menschheitsgeschichtlich Krieg! Noch einmal positiv ausgedrückt, wir  wollen keinen Krieg, sind Anhänger friedlicher Konfliktlösungsstrategien, unser  Ideal ist die Gewaltlosigkeit. Aber Lobbyarbeit ohne den Druck einer massenhaften Bewegung von der Strasse hilft uns da gar nichts. Wir Friedensarbeiter können nur durch Überzeugungsarbeit wirken, aufklären! Politisches, kenntnisreiches Denken zu fördern ist unser Auftrag. Unsere Zielgruppe ist die Öffentlichkeit insgesamt und nicht die paar versprengten „Greise“ in den verkalkten und gekauften NGOs einer vermeintlichen, geschrumpften „Zivilgesellschaft“. Ich drücke mich hier drastisch aus, ich weiß das, aber die Geschichte wird mir recht geben, dafür lege ich Hände und Füße ins Feuer.

Verwilderte und verwahrloste Elemente kassieren fürs Morden und Brandschatzen 

Für das, was verwilderte und verwahrloste Elemente in Syrien, im Irak, in Libyen, in Afghanistan, in Nigeria, in Mali, in Somalia, in der Ukraine heute für Drogen, Geld und bösen Zuspruch leisten, ist der Begriff „teuflisch“ noch viel zu milde. Auch mit Vokabeln wie „satanisch“ oder „barbarisch“ ist das mörderische Handwerk der Hals-Absäger, der Kulturzertrümmerer, der Menschenschinder nicht zureichend zu kennzeichnen. Der Teufel ist als „Teufelskerl“, als ein Teil von jener Kraft, die Böses meint und Gutes schafft, als gefallener Engel, als ein mit Gott dialogisierender immer noch ein Abfallprodukt des Göttlichen und ein gewissermaßen produktives, vorantreibendes oder warnendes Element. Er kommt übrigens nicht nur als Metapher, sondern ganz realistisch geschildert, beim Klassiker Goethe ebenso vor wie beim Klassiker Dostojewski in den „Gebrüdern Karamasow“ und in den „Dämonen“ oder etwa beim Literaturnobelpreisträger Thomas Mann in dessen Roman „Dr. Faustus über das Leben des Tonsetzers Adrian Leverkühn“, einer Abrechnung mit dem deutschen Faschismus. Die Terroristen unter dem Logo ISIS und co sind aber keine einfachen Widersacher mehr, keine Rebellen oder schlicht Oppositionellen. Sie wollen die Menschlichkeit ausrotten und sie spielen bewusst mit den nuklearen Inferno. Mit ihnen kann man nicht dialogisieren, ihnen muss man das Handwerk mit allen Mitteln legen.

Teufelsmetaphorik leider zeitgeistgemäß

Die Teufelsmetaphorik ist aber ein  durchaus modernes Bild, mit der sich heutiges unheilvolles Wirken zumindest annähernd charakterisieren lässt, wenn auch nicht zureichend. Ähnliches gilt übrigens, wenn auch auf andere Weise, für die wahrhaft teuflischen “Satanischen Verse“ von Salman Rushdie, der sich mit dem seinem gleichnamigen Roman als geistiger Brandstifter und Vorläufer der Islamo-Faschisten betätigt.



Mittelaltermethoden haben Konjunktur

Mit mittelalterlichen, ja vorsintflutlichen, vorgesetzlichen Methoden haben wir es leider im 21. Jahrhundert schon lange wieder zu tun. Die bedrohliche Ignoranz gegenüber dem Recht, vor allem das  Beiseiteschieben des Völkerrechts, hat zu einer größenwahnsinnigen Selbstüberhebung der Macht geführt, der mit Sandkastenspielen in Sachen Gewaltlosigkeit nicht beizukommen ist. Die Folterpraktiken und die Ikonisierung derartiger Praktiken seitens der US-Amerikaner, vorgeführt  in ihren Folterhöllen Abu Ghraib/ im Irak, Guantanamo/Cuba und Baghram/Afghanistan sind hier als Negativbeispiele menschlicher Verirrung doch wahrhaftig mittelalterlich-teuflisch zu nennen. Sie erinnern an die Methoden der ebenfalls einst  über dem Recht stehenden, staatlich aber geschützten Inquistion und an die Ketzerverfolgungen. Der moderne Kreuzzug gegen den Islam, der Hand in Hand geht mit der Erschaffung des Islamo-Faschismus in den Brutstätten US-amerikanischer Geheimdienste ist eine Neuauflage der jahrhundertelangen Kreuzzüge des Hochmittelalters, angeblich geführt zur Befreiung des Grabmals Christi aus den Klauen der Ungläubigen. Es ging also vorgeblich um ein hehres Ziel hinter dem sich schnöder Mammon verbarg, damals wie heute: Same procedure as last time.

Um mir eine Detailbeschreibung der Vorgehensweisen der Terrorsöldner zu ersparen, nenne ich also ihre Handlungsweise „teuflisch“. Die postmodernen Teufel verbergen übrigens keineswegs, was sie tun. Ihre Kopfabschneide'arbeit' und andere kriminell-inhumane Akte haben sie ja stolz in den sogenannten sozialen Netzwerken dargeboten. Augenzeugenberichte von Opferseite gibt es ebenfalls jede Menge, ebenso wie Aussagen von Ex-CIA Analysten. In den Mainstream-Medien oder in der Konzernpresse, um ein deutsches Wort zu gebrauchen, finden solche Stimmen natürlich  keinen Widerhall. Man projeziert statt dessen das eigene teuflische  Tun auf die legitimen Regierungen, denen man die eignen Verbrechen anhaftet. Zynischer geht es kaum.

Dialoge mit dem Teufel  führen?

Die von mir als teuflisch charakterisierten Verbrecherbanden, haben den Auftrag zu töten und nicht zu verhandeln. Entsprechend haben sie bzw. ihre Sprachrohre sich bei allen Verhandlungsrunden in Genf aufgeführt. Daher der indirekte Charakter der Verhandlungen, die de Mistura, der UN-Syrienbeauftragten und seine us-amerikanischen Auftraggeber erfunden haben, um den Anschein der Gesprächsbereitschaft der 'Opposition', der 'Rebellen',  ihrer Kreaturen  also zu wahren.
 Im Klartext: Die syrischen 'Oppositionellen', wie sie schönfärberisch genannt werden, weigern sich konstant, mit der in ihren Augen 'illegitimen syrischen Regierung'  auch nur Kontakt aufzunehmen, auch nur in einem Raum zu sitzen, weswegen die sogenannte „Shuttlediplomatie“ eingeführt wurde.

 Von mir aus kann man nun auch mit dem Teufel persönlich reden, das tut selbst Gott laut Goethe im Faustschen Vorspiel auf dem Theater und die Russen versuchen es auch …. Die Frage ist nur , ob der Teufel das will und wohin es am Ende führt, wenn man den schwächeren Part hat. Der Volksmund weiß sehr gut, dass wer mit dem Teufel frühstücken will,  einen langen Löffel haben muss. Dies gesagt habend, spreche ich diesen Akteuren und Unterhändlern des Terrors keineswegs ihr Menschsein ab, im Gegenteil, ich fordere sie und ihre Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen! Das ist etwas anderes.

 Dialogbereitschaft  und gemeinsame Agenda vorausgesetzt

Begegnung und Dialog setzen also Bereitschaft auf beiden Seiten voraus. Ohne den politischen Willen kann gar nichts geschehen. Das war an den stagnierenden Genfer „Friedensverhandlungen“ so lange zu sehen, bis die Russen mit Bomben den Terror zurückgedrängt haben. Diese handelten damit nicht nur im Sinne einer  'verengten Staatslogik#, sondern im Interesse der ganzen Region und der Menschheit überhaupt. Ihnen gebührt Dank. Gleiches gilt für das syrische Volk und seine  Armee, die lange Zeit ziemlich allein dem Terror die Stirn boten.

Erfolgreiches Verhandeln mit gegnerischen Kräften  setzt klar definierte  Ziele und  ein bestimmtes Kräfteverhältnis voraus, das zur Kompromißbereitschaft zwingt. Hoffen wir, dass die Genfer Gespräche diesmal weiterführen. Voraussetzung ist, dass die USA  auf ihre Maximalforderung „Assad muss gehen“ verzichten und dass sie und ihre Marionetten Türkei und Saudi-Arabien die Finanzierung des Terrors einstellen. Keiner kann wünschen, dass die Russen ihr militärisch zum Glück(!) hervorragendes Militärpotential ein weiteres Mal einsetzen müssen. Das Problem ist, dass die US-Militärstrategen der ausdrücklich erklärten Auffassung sind, dass nicht der Terror, sondern die Russen die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellten. Darin besteht das Haupthindernis für einen Verhandlungserfolg. Deshalb hat F. Cunningham recht, wenn er sagt, die relative Waffenruhe ist noch nicht der Friede.

Worauf ein 'staatsfernes',  immer wieder vorgebrachtes zivilgesellschaftliches Argument zielt, ist der Einsatz von  Mediatoren und in Gewaltfreiheit geschulter Leute.Diese können aber nur  eingesetzt werden auf der  Ebene der Individual- oder Gruppenpsychologie, vielleicht auch in der Diplomatenschulung. Dieses Personal und ihre Methodik können da greifen und erfolgreich wirken, wo Verständigung politisch gewollt wird. Wo ein Wille ist, da ist immer auch ein Weg.

Der Friede muss verteidigt werden, zur Not auch militärisch

Im politischen Raum, in dem wir uns nunmal bewegen, geht es immer und von allen Seiten um die Abklärung von Interessen, um das Abtasten von Handlungsspielräumen, die gleich starke Akteure voraussetzen. Der Schwache wird gnadenlos niedergemacht, wie allseits zu beobachten ist. Siehe immer wieder Palästina!! und andere zertrümmerte Staaten der südlichen Hemisphäre.

Deswegen kann ich auch nicht darüber lamentieren, dass sich die Russen, nach langem Zögern und nach reiflichem Überlegen sich entschlossen haben, ihr Atomwaffenarsenal wieder zu aktualisieren. Es ist schließlich offensichtlich, dass ihr Kernland nicht nur konventionell, sondern auch nuklear bedroht ist. Wozu dient denn die Vervierfachung der US-NATO-Militärausgaben für Osteuropa und auf wen sind die modernisierten Atomwaffen, die vertragsbrüchig in Büchel stationiert sind, gerichtet? Der amtierende US-NATO Ober-Kommandeur Breedlove1 ist der Meinung, dass die Russen die Amerikaner existentiell bedrohen. Darauf muss sich doch die russische Verteidigungsstrategie einstellen, alles andere wäre fahrlässig und verantwortungslos. Schließlich ist es nicht der erste Krieg mit Hilfe dessen das große Russland niedergerungen werden soll. Gegen solchen Wahnwitz sich auszusprechen und die westliche Aggressionspolitik anzuprangern, das ist aktive Friedenspolitik, das ist ein Beitrag zur Gewaltlosigkeit.

Grau ist alle Theorie

Theorieentwicklung, die sich zu weit von der Realität entfernt, die sie erklären will, bleibt grau und bestenfalls blutleer. Im schlimmeren Fall dient sie der falschen Sache.

Die Geisteswissenschaft hat sich leider nach der welthistorisch verhängnisvollen Wende  1989 rückwärts und nicht vorwärts entwickelt. Die sozialen Wissenschaften dienen heute kriegerischen Zwecken, der militärisch-industrielle Komplex bestimmt  im Westen die Forschungsrichtung und das Instrumentarium mittels dessen geforscht wird, das lässt sich empirisch nachweisen. Der Begriff „Zivilgesellschaft“ meint die ganze NGO-Community, eben anstelle der allumfassenden Öffentlichkeit, er ist ein verengender Begriff. Mit seiner/ihrer  Hilfe soll  die „zivile“ Welt eben dem militärstrategisch für nötig gehaltenen untergeordnet werden, bestenfalls beigeordnet. Deswegen liebe ich das Wort von der Zivilgesellschaft  nicht. Früher sprach man stattdessen  von Zivilcourage, davon hört man heute im öffentlichen Diskurs nur noch selten.

 Wer zahlt, schafft aber immer noch an an. Man muss also nur schauen, woher und wohin die Gelder fließen, um zu begreifen, wer, warum welche Position vertritt und wem damit ein Nutzen verschafft wird. Erkenntnisgewinne mögen ja vielleicht nach 1990 noch erzielt worden sein, aber wem haben sie Nutzen gebracht. Das Qui Bono ist für mich die alles entscheidende Frage. Welches Problem haben die Sozialwissenschaften seither lösen helfen?

Andere“,  erfolgreichere "Methoden" in der Friedensarbeit?

Wenn man mit den falschen Voraussetzungen an die Problemlösung geht, wenn man die Lage falsch einschätzt, dann wird man niemals zu erfolgversprechenden Lösungen kommen. Die Analyse muss stimmen, muss mit den Realitäten mithalten. Die Friedensbewegung gibt schon lange ein jämmerliches Bild ab. Da bewegt sich nichts mehr, da krümmt sich etwas und dreht sich um die eigene Achse. Der Grund für diesen beklagenswerten Zustand ist nicht das fehlende Training in Sachen Gewaltfreiheit. Der Grund ist der fehlende politische Begriff. Wer seinen Feind nicht kennt, wie soll der sich schützen? Er wird ihn gar noch zum Frühstück einladen und ihm sein Bett anbieten, wie bei Max Frisch in dessen Drama  vom „Biedermann und den Brandstiftern“.

Die Friedensarbeit braucht vor allem Menschen mit wachem politischem Verstand, mit Kenntnissen und Durchblick. Der Friede braucht unabhängige Köpfe, Menschen mit Zivilcourage, Menschen, die um die Ecke denken können und die sich frei geschaufelt haben von der bürgerlichen Propaganda. Naivität könnte hierbei im Sinne von Ursprünglichkeit, im Sinne von nicht vorgestanzten Denkmustern folgend, eingebracht werden. Aber meist handelt es sich bei naiven Menschen doch einfach um ahnungslos Gutgläubige.
Das Pochen auf der Gewaltfreiheitslehre und auf dem sie implizierenden Wertesystem, auf der hohen Vision, die mit ihr einherginge, beinhaltet neben der Naivität, mit der sich das vorträgt auch den Aspekt der latenten Überheblichkeit. Die überwältigende Mehrheit der Erdbewohner ist für eine Gesellschaft in der Konflikte friedlich ausgetragen werden können. Es gehört durchaus nicht zum Wertekanon einfacher Leute, Interessen mit der Faust oder gar mit der Knarre in der Hand auszutragen. Die meisten ducken sich feige oder resigniert weg. Viele kämpfen einen harten, kräftezehrenden Kampf ums Dasein. Millionen Bewohner der südlichen Hemisphäre sind Muslime. Sie haben vor Generationen den Islam als eine Religion des Friedens kennen gelernt.

Ich selbst bin in einer christlichen Umgebung im katholischen Süden Deutschlands sozialisiert, habe von einem protestantischen Pfarrer meine Bergpredigt gelernt und meine Zehn Gebote, wie auch das Vaterunser. Ich stehe zu dem Mann aus Nazareth, der als Kritiker seiner Zeit eines gewaltsamen Todes sterben musste. Ich halte mich keineswegs für „ideologiefrei“. Ich weiß um meine Prägungen, die ich teils abgearbeitet habe und zu denen ich mich teils auch positiv bekenne. Mein Ideal ist eine Gesellschaft der Gleichen und Gebildeten, eine Gesellschaft in der Recht und Vernunft ein hohes Gut darstellen. Das Recht bindet auf Grundlage der Vernunft alle. Ich bin dafür, dass nach einem Plan gewirtschaftet wird zum Wohle aller und nicht  dafür,  die Taschen der Gier zu füllen. In einer solchen Gesellschaft wird das Gewaltpotential, das sich heute angesammelt hat, schmelzen und allmählich werden friedvolle Zustände einkehren.

Von Bildern, Ideologien, Metaphern und Spitzfindigkeiten

Die Wahrheit ist immer konkret. Konkret und damit überprüfbar sind auch die Früchte, die ein bestimmtes Tun zeitigt. Ob sie giftig sind oder eben genießbar und bekömmlich, das lässt sich sehr leicht auch vor dem Verzehr nachweisen, spätestens nach Tische aber weiß man, woran man ist.
Die Sprache der Luther-Bibel ist eine sehr schöne und daher zum Volksgut geworden. Sie ist voll der wunderbarsten Gleichnisse, die leider oft nicht verstanden werden, obwohl sie doch auf der Hand liegen.

Mit der Spaltung von Haaren ist kein Staat zu machen. Im Gegenteil ist der Spliss von Übel.
Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten, am Ende aber stoßen sich dann halt doch eng im Raum die Gegensätze. Sprich wenn einer mit dem Messer auf dich oder deinen Partner losgeht, dann kommst du mit deinem Gewaltfreiheitstraining nur so weit, wie du es verstehst, den Angreifer geschickt unschädlich zu machen und ihn an der Ausführung seiner bösen Tat zu hindern. Karate mag hilfreich sein, ein Pfefferspray in der Tasche, wenn rechtzeitig zur Hand, auch.

Es ist interessant, dass liebe, geschätzte Freunde oft der Konkretion ausweichen. Auf konkrete Beispiele antworten sie mit einer Vision. Was aber ist, wenn einer ihr Haus in Brand steckt, ihre Nachbarn ermordet, ihre Enkelkinder vergewaltigt? All solche Dinge geschehen in Syrien. Zwar geschehen sie nicht nur dort, aber dort zentriert sich gerade das Problem und es geht dabei auch um Gefahren, die uns bald  überall blühen könnten. Diese brutalen Vorkommnisse sind  aber   mitnichten  zu verantworten von der  legitimen Regierung der   arabischen Republik2  , diese versucht vielmehr ihnen militärisch (!)  und durch kluge Diplomatie Einhalt zu gebieten. Die Menschen in den vom Terror befreiten Gebieten jubeln den Russen zu und  sie danken der syrischen Armee. Was sagt der friedliebende Bürger eines NATO-Staates nun dazu?

Grenzen der Gewaltlosigkeit

Das Konzept der Gewaltlosigkeit hilft in der konkreten Situation nicht das Problem zu lösen, es führt zum Versagen einer Hilfeleistung für den Not geratenen und kann die Situation im Sinne einer Ausuferung der Gewalt verschlimmern. Flucht vor der Realität ist die Folge. Mediation, Einfühlungsvermögen und gute Worte versagen da, wo keine Bereitschaft zum Kompromiss oder zur Verständigung vorhanden ist.

Nun gut, der Worte sind genug gewechselt...

Mögen wir der „Auferstehung des Herrn“ und dem österlichen Friedensgeschehen positiv entgegensehen. Frühling liegt in der Luft, die Erde belebt und begrünt  sich wieder.  Die Sonne wird unser aller Gemüter erhellen. Das Leben regt sich und bewegt sich  auf Ostern zu und die Menschheit wird sich nicht unterkriegen lassen, niemals solange da Leben ist. Nehmen wir die Bauziegel  der BRICS-Staaten als Zeichen des Aufbruchs wahr.  Mit  ihrer Hilfe können wir an einer ausgeglicheneren, multipolaren Weltordnung mitwirken. Es wird schon  eifrig gebaut daran und in ihr liegt Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt.
Feiern wir in diesem Sinne das Richt-Fest der Auferstehung im Bewusstsein  politisch-gesellschaftlicher Verantwortung.
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1http://www.strategic-culture.org/news/2016/03/15/america-keeps-moving-towards-war.html
2 Die Kritik an Assad, auch wenn sie vom US-Friedensrat vorgetragen wird, ist vollkommen deplaziert. dem Opportunismus geschuldet. Kritisieren wir die Politik unserer respektiven Regierungen und zeigen zuhause Flagge, auf solcher Grundlage können wir uns international die Hand reichen darauf kommt es an.

Syrien: Worüber die die Medien schweigen


Bericht über eine Konferenz in Genf am 1. März 2013
Freitagabend. Über 300 Menschen versammeln nach Feierabend im Ghandi-Saal des Genfer „Maison des Associations“. In konzentrierter Stille lauschen sie den Vorträgen des belgischen Publizisten und Menschenrechtsaktivisten Bahar Kimyongür und der russischen Kriegsreporterin Anastasia Popova. Mit ihrem Kamerateam hat die blutjunge, zarte Frau insgesamt sieben Monate an allen Fronten der syrischen Konfliktzonen recherchiert. Eingeladen zu der mit unerhörten Bildprojektionen unterlegten Präsentation hatte das „Internationale Institut für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte“ in Zusammenarbeit mit dem „Kollektiv der schweizer Syrer“.
Zuvor hatten die beiden Journalisten schon im UN-Palais referiert. Anlass, die aktuelle Tagung des UNO Menschenrechtsrats. In das alt erwürdige Völkerbundgebäude am Genfer See hat allerdings nicht jeder Zutritt. Es gleicht heutzutage einer Festung. Das Volk muss draußen bleiben, wo selbst UN-Diplomaten und akkreditierte Vertreter von NGOS für ermüdende Sicherheitskontrollen Schlange zu stehen haben.
Auch der Zugang zum Vereinshaus in der schmalen 'Rue des Savoises' war durch Bauarbeiten verbarrikadiert. Wer an diesem Abend hinein wollte, musste Spießrutenlaufen. Ein Pulk Jugendlicher, ein offenkundig bestellter Mob, hatte vor dem Eingang ein großes Banner platziert. Gut gekleidet skandierten sie ihre vorgestanzte Losung: „Keine Konferenz für Faschisten!“
Einmal drinnen traf man auf informationshungrige, gediegene Schweizer Bürger, unter ihnen viele aus der jungen Generation. Der Radiologe und gebürtige Syrer Constantin Sayegh moderierte die Sitzung.
„Antiochia, die ehemalige Hauptstadt Syriens, laut Lukas, die Wiege der christlichen Kultur, wurde 1939 von den Franzosen an die Türken verschachert, um sie von einem Kriegsbündnis mit den Deutschen abzuhalten“, sagte Bahar Kimyongür. Er qualifiziert die Übertragung des Gebiets um Iskenderun als das „München des Nahen Ostens“. Und in der Tat, nach der Besetzung von Paris durch deutsche Truppen, marschierten die Militärs der kollaborierenden Vichy Regierung mit britischer Unterstützung im Mandatsgebiet Syrien ein.
Ein für das Verständnis der neokolonialen Politik gegenüber Syrien heute unverzichtbares Stück Geschichte, um das keiner im Westen zu wissen scheint, über das zumindest keiner spricht. Kimyongür, der Autor des Buches „Syriana, la conquete continue“, trauert um seine viel geschundene Heimat diesseits und jenseits der türkisch-syrischen Grenze. Eine Heimat, aus der die Eltern einst als Gastarbeiter ins ferne Belgien zogen, eine ferne Heimat der der Sohn, Historiker und Archäologe sich noch immer verbunden fühlt. Türkisch und Arabisch scheinen ihm wie das Französische ans Herz gewachsen. Der ortsansässigen Bevölkerung in der heute türkischen Grenzprovinz Hatay, verblieb ein „Küchenarabisch“, das versetzt ist mit türkischen Vokabeln. Die türkisch-syrische Grenze wird laut einem gegenseitigen Abkommen von 1998 nur von der türkischen Seite aus kontrolliert. Auf syrischer Seite gibt es keine Grenzer! Mit strategischer Unterstützung der NATO wird von der enormen US-Militärbase nahe Iskenderun ein offener Krieg gegen das alte Kulturland Syrien vorbereitet, werden zwei Brudervölker gegeneinander gehetzt. Hatay, so der Türko-Syrer ist eine Miniaturausgabe Syriens.
Er selbst, Alawit mit belgischem Pass wünscht sich, wie fast alle türkischen Menschen von ganzem Herzen, dass den Kriegsvorbereitungen gegen dass Nachbarland der Türkei Einhalt geboten wird. „Frieden“ ist das Zauberwort, dafür arbeiten er, seine Freunde, seine Familie und dafür, dass das unbeschreibliche Leiden der syrischen Bevölkerung aufhören möge.
Für Kimyongür ist es gleichgültig, welcher der achtzehn allein christlichen Religionsgemeinschaften Syriens man angehört, ob man Christ, ob Muselman, ob Alawit, ob Jude, Shiit oder Sunnit ist. Sie leiden alle. Ja, auch letztere verschonen die „Islamisten“ nicht, sobald diese sich nicht den Rebellen „freiwillig“ anschließen oder sich auch nur der Dämonisierung des syrischen Präsidenten Assad verweigern. Es treibt Bahar K. die Tränen in die Augen, während er sagt: „ Die Bezeichnung „Allawit“ wird heute gleichgesetzt mit „Kindermörder“. Zwischentöne, so der Publizist, finden kein Gehör mehr. Man kann im Westen keine differenzierte Kritik am syrischen Präsidenten, an der syrischen Politik mehr vorbringen. „Bist du für oder gegen Assad“, lautet die standardisierte Frage. Ein Verdammungsurteil Bashar al-Assads ist der Preis dafür, dass du weiterreden darfst. Während in Saudi-Arabien zwischen zehn- und zwanzigtausend Gefangene in den dortigen Gefängnissen schmoren und Israel sich angesichts der Entwicklungen im Nachbarstaat Syrien die Hände reibt, halten fanatisierte, von den Amerikanern geförderte Libyer an der türkisch-syrischen Grenze vorgeblich eine „Konferenz“ ab, über das, was sie unter „Islam“ verstehen. Die sogenannten Rebellen, in Wirklichkeit gedungene ausländische Söldner aus allen Herren Ländern, werden im Stützpunkt Incerlik an modernsten Waffen trainiert. Die Welt weiß es seit langem und schweigt. Sie schweigt zu all den unheilvollen, bedrohlichen Entwicklungen, während die syrische Politik pausenlos als „verbrecherisch“ charakterisiert wird und ein Eingreifen gegen Syrien immer lauter gefordert wird. Den offenen Kriegsvorbereitungen gegen Syrien müsse endlich ein Ende gesetzt werden, meint der junge Journalist, Buchautor und Menschenrechtsaktivist. Er, der in mehreren Kulturen zu Hause ist, er der polyglott ist und die Völkerverständigung als seinen Auftrag begreift, bittet fast demütig sein Publikum:„Helfen Sie mit diesen Krieg zu verhindern!“
Während Kimyongürs Beitrag ins Grundsätzliche reicht und in elegantem Französisch vorgetragen wird, berichtete seine russische Kollegin, die dekorierte Kriegsberichterstatterin Anastasia Popova in flüssigem Englisch von den knallharten Fakten vor Ort. Ihr Kameramann hat alles im Bild festgehalten. Jetzt müssen wir, das Publikum, den Bildokumenten ins Auge schauen. Die bestialischen Gewaltakte überschreiten das Maß des Erträglichen. Wie kann soviel Hass gezüchtet werden, der sich gegenüber völlig wehrlosen Opfern entlädt? Worin gründen die Motive? Warum greifen Menschen zu Mitteln, die sie selber ihrer Menschlichkeit berauben.
47 Journalisten haben die 'Rebellen' bereits auf dem Gewissen. Unter den dahin Gemordeten sind Kollegen, die die Referentin liebgewonnen hatte. Freunde, deren sinnloser Tod sie schwer verkraftet. Auch Anastasia wurde verletzt, während einer ihrer vor Ort Recherchen. Auch sie hat manches Bildmaterial von Rebellen übernommen, von jenen also, die die keinen Hehl aus ihren verbrecherischen Taten machen. Schließlich sollen die von ihnen angebotenen Bilder abschrecken, von jeder Solidarität mit de moräsidenten. Durch die dokumentierten Untaten soll das Grauen hervorgerufen werden, das die Syrer massenhaft aus ihrem einst reichen Land treibt. Für all jene, die sich nicht dem fundamentalistisch-archaischen Ideengut der 'Dschihadisten' unterwerfen und für jene, die sich deren brutaler Herrschaft entgegenstellen, solle im künftigen Syrien kein Platz mehr sein. „Warum“, so fragt Frau Popova, „hören wir niemals von jener millionenstarken 'Hälfte' der syrischen Bevölkerung, die noch immer zu ihrem Präsidenten Bashar al-Assad steht, trotz aller Gräuel, mit denen sie bedroht werden, trotz des bereits erfolgten Aderlasses von hunderttausenden Mitbürgern, denen der Absprung ins Ausland glückte? Wer erzählt ihre Version der Geschichte? Warum können die „Rebellen“ nicht besiegt werden, obwohl sie zweifelsfrei eine Minderheit verkörpern und einen völligen Fremdkörper innerhalb der traditionell toleranten syrischen Gesellschaft bilden?“ Die Antwort ist einfach, so Popova, handelt sich doch weder um 'syrische Oppositionelle' noch um eine isolierte Bande von besonders brutalen Gangstern. Vielmehr haben wir es zu tun mit Terroristen, die mit modernsten Waffen ausgestattet und die von NATO Offizieren trainiert werden. Sie verfügen über die neueste Kommunikationstechnologie und über schwere Geschütze, bis hin zu Panzerabwehrraketen. Über eine halbe Milliarde Dollar habe allein die USA bereits für Waffenhilfe ausgegeben und jetzt sei gar ein Trainingslager auf syrischem Boden geplant. Laut UN-Daten kämen die Söldner aus 29 Ländern. Die Bezahlung laufe vornehmlich über Saudi-Arabien und Katar. Die USA schicke sogar zum Tode Verurteilte nach Syrien und zahle dafür den Familien eine monatliche Zuwendung. Andere „Dschihadisten“ kämen aus Libyen, dem Irak, Afghanistan; bis hin nach Australien reiche die Blutspur.
Die „Rebellen“ seien mit dem Auftrag unterwegs in einem Ursprungsland des Christentums mit gleichwohl reicher islamisch toleranter Kulturtradition die „Sharia“ einzuführen, die der Westen anderswo mit Waffengewalt bekämpfe.
Warum riskiert Frau Popova für ihre Auftraggeber „Russia Today“, „Russia 24“ und die internationale Presseagentur 'Pressenza' ihr Leben in Kriegsgebieten? Warum ging sie innerhalb der letzten zwei Jahre immer wieder zurück nach Syrien, dahin wo der Zugang für Journalisten unmöglich sein soll?
Unmöglich sei gar nichts, meint sie. Jeder Journalist, der das wolle, erhalte eine Akkreditierung, aber die Berichte von mutigen Journalisten würden von den Auftraggebern oft verfälscht wie sie an einem selbst miterlebten Beispiel erläutert. Viele Kollegen blieben an der Grenze und in ihren Hotels und verließen sich auf Bildmaterial der bewaffneten 'Rebellen', die ihre Gräueltaten der syrischen Armee zuschrieben. Eine Überprüfung vor Ort würde meist vermieden.
Ihr eigenes Motiv sei identisch mit dem ihres Landes, sie wolle einen Beitrag zum Frieden in der Region und damit zum Frieden in der Welt leisten. Irene Eckert

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